Allgemeines:

Im Jahre 1362 wurde die Kapelle zum heiligen Martin von Graf Wilhelm von Bregenz gestiftet. Damals war jedoch das Langhaus – der Bereich in welchem sich heute die Gebetsbänke und die Seitenaltäre befinden noch nicht angebaut, vielmehr handelte es sich lediglich um den Bereich des Turms und hierbei auch nur um das Obergeschoß und anfangs – vor 1362 auch nur um einen Teil dieses Geschoßes.  Das untere Geschoß diente als Getreidespeicher. 1362 wurde dann das gesamte Stockwerk zur Kapelle und die meisten Fresken entstanden im Zeitraum von 1362 – 1366 und teils 1420. Ende des 15. Jahrhunderts wurde dann das Untergeschoß mit in die Kapelle übernommen. 1599 – 1601 wurde der damals noch niedere Turm durch den Baumeister Benedetto Prato um ein Zwischengeschoß, ein Wohngeschoß des Türmers und ein Arkadengeschoß ausgebaut und mit dem heute noch zu bewundernden Zwiebelturm vollendet. Der Ausbau hat nichts mit der Kapelle zu tun, hierbei ging es darum, dass man einen Wächter brauchte, der vor allem in der Nacht nach möglichen Bränden Ausschau hielt. 1701 wurde die Kapelle schließlich um das Langhaus mit den heutigen Gebetsbänken erweitert. Über     dem Eingang der Kirche eine Sandsteinfigur des heiligen Martin von Johann Winckel aus dem Jahr 1702.

 

Architektur:

Hierbei handelt es sich um einen spätrömischen Kernbau. Das Langhaus wird innen durch eine Flachdecke mit Stuckfeld begrenzt. Die Fenster befinden sich in Flachbogennischen. Der Altarraum ist quadratisch mit flacher Holzbalkendecke. Im Altarraum finden wir sowohl Flachbogen- als auch Rechteckfenster.

 

Fresken im Altarraum und Gemälde an den Wänden:

Startend links an der Nordwand der heilige Christophorus 1361/62;

dann oberer Bildstreifen:

Der heilige Oswald (?); Traum Josefs mit Kreuzigung und Stifterbild; gefolgt von Jesus am Kreuz mit Maria und Johannes mit Stifterbildnis inklusive Montforter Wappen (Ulmer 1936 schreibt, dass von dem Schriftband eine Kopie vorliegt, das besagt ‚Mich Graf Wilhelm von Montfort – Behüte Gott hie und dort‘; danach sehen wir den heiligen Georg im Kampf mit Drachen; heiliger König auf Pferd mit Wappen; hierauf folgt der heilige Martin mit einem Bettler

der untere Bildstreifen:

Christus am Ölberg; Judaskuss; Geißelung; Dornenkrönung; Kreuztragung; Kreuzigung; Auferstehung – alle um 1361/62 – in der Fensterlaibung ist links die heilige Apollonia und rechts der heilige Christophorus von Anfang des 16. Jahrhunderts zu sehen

Ostwand – oberer Bildstreifen:

Verkündigung; Heimsuchung; Geburt Christi; Anbetung der Könige; Darbringung; zwölfjähriger Jesus im Tempel; Krönung von Maria; ungedeutete Szene; Ritter wird empfohlen; große Figur mit Stab

mittlerer Bildstreifen:

heilige Ursula im Schiff; Grablegung Christi; Abendmahl; neun Heilige (laut Schriftbänder: Isidor, Johannes der Täufer, Sigmund, heiliger Bischof, Theodul, Leonhard, Stephanus, Georg, Katharina);

unterster Bildstreifen:

Stifter mit Jahreszahl 1363; Stifterpaar mit Wappen; Marter des heiligen Sebastian mit Wappen; Christus erscheint Maria.

Fensterlaibung: oben erkennt man Gott mit dem heiligen Geist und mit vier Evangelisten; links der heilige Christophorus und rechts Schmerzensmann

Südwand – oberer Bildstreifen:

ungedeutete Szene; Jakobsstiege; Katharina; heiliger Bischof; Erweckung eines Toten (?); heilige Katharina mit Maria und Antonius Eremit; heilige Kümmernis mit Stifter mit Bregenzer Wappen

unterer Bildstreifen:

heiliger Leonhard; heiliger Erasmus; ungedeutete Szene; heilige Dorothea – Ende 14. Jahrhundert

an der Rückwand ein Gemälde des heiligen Nikolaus von Tolentino aus dem 18. Jahrhundert

 

Seitenaltäre im Betraum:

links: gleicher Aufbau wie links, auf dem Gemälde das Martyrium des heiligen Veit und Alexius unter der Stiege des Vaterhauses von Ja. S. Müller aus 1781.

rechts: Aufbau flach aus Stuckmarmor mit seitlichen Voluten und Putten, aus 1781 von Josef Anton Haltmayer. Das Gemälde zeigt die heilige Anna mit Maria und dem heiligen Oswald, 1781.

 

Figuren:

an der Altarwand heilige Maria mit Kind, um 1680; an der Südwand (rechts) der heilige Martin mit Bettler; ein Relief des heiligen Kolumban aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; Chorbogenkruzifix um 1740

 

Heilige

Alexius (*? - †417?): Der Legende nach war er der Sohn des römischen Senators Euphemianus und der Aglaia. In seiner Hochzeitsnacht verließ er sowohl Frau als auch seine Eltern und ging nach Edessa, wo er 17 Jahre lang als Einsiedler und Bettler vor einer Kirche lebte. Als man begann ihn als heiligen zu verehren flüchtete er nach Rom. Sein Vater erkannte ihn nicht, nahm ihn ob seiner Armut aber in sein Haus auf, dort lebte er weitere 17 Jahre unter der Treppe des Elternhauses. Als er starb gab er sich durch ein Schriftstück zu erkennen, sehr zum Schock seiner Eltern und Ehefrau. In der syrischen Version lebte er immer schon in Edessa in Armut und als Einsiedler. Berührung seines Leichnams führte zu Heilungen. Er wird gerne mit einer Treppe dargestellt.

 
 

Anna (*? - †1?): Nach apokryphen Evangelien war Anna die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus Christus.

 

Apollonia (*? - †248): Bei ihr handelt es sich um eine angesehene alte Frau aus Alexandria. Im Zuge einer Christenverfolgung wurde sie mit Anderen verschleppt. Nach Berichten von Bischof Dionysius wurden ihr die Zähne ausgeschlagen und das Unterkiefer zertrümmert. Ihr wurde mit der Verbrennung gedroht, sollte sie nicht vom Christentum abschwören, doch sie entschloss sich laut betend selbst in die Flammen zu stürzen und verbrannte. Ob es sich hierbei um ein Martyrium oder um Selbstmord handelt beschäftigte die Kirche damals, die Gläubigen erkannten in ihr aber sofort eine Heilige. Attribute: Zange mit Zahn oder sich ins Feuer stürzend

 

Christophorus (*? – †250): Er trägt einen Stab und Jesus sitzt auf seiner Schulter. Der Legende nach war er ein Riese und half Menschen aufgrund seiner Größe über einen Fluss. Eines Nachts rief ein Kind und er trug es über das Wasser – das Kind aber wurde immer schwerer und er wurde untergetaucht – am anderen Ufer erkannte er Jesus seinen Herrn. Er wurde aus der Liste der kanonischen heiligen 1962 gestrichen, da seine Existenz legendär ist. Vom 13. bis ins 16. Jahrhundert galt man den Tag vor unvorhergesehenem Tod geschützt, wenn man am Morgen das Bild des Christophorus betrachtet hat. Durch Papst Pius XI (Papst von 1922 – 1939) wurde er zum Schutzpatron der Autofahrer ernannt – noch heute sieht man an Christophorus erinnernde Gegenstände von Rückspiegeln hängen. Rettungshubschrauber tragen auch gerne seinen Namen. Er ist einer der 14 Nothelfer.

 

Dorothea (*um 290 - †304): Legenden zufolge wollte sie der Statthalter einer Provinz heiraten, sie aber wollte ihr Herz nur Ihrem Herrn, Jesus, schenken, woraufhin sie gefoltert wurde. Das Martyrium konnte ihr aber nichts anhaben, bzw. heilten ihre Wunden über Nacht. Als sie mit dem Tod bedroht wurde, sagte sie nur, dass sie diesen gerne erleiden werden, da sie dann im Garten ihres Herrn sein werde, wo Rosen und Äpfel gedeihen. Theophilus, der Schreiber hörte das und meinte spöttisch, dass sie ihm doch von den Rosen und süßen Äpfeln schicken solle, wenn sie dort ist. An der Richtstätte betete sie und es kam ein goldlockiger Junge mit Rosen und Äpfeln, den schickte sie zu Theophilus. Dorothea wurde enthauptet und Theophilus wurde hierdurch auch zum Christentum bekehrt.

 

Erasmus (*Anfang 3. Jahrhundert - †310): Er war der unhistorischen Legende nach um 300 Bischof von Antiochia – dem heutigen Antakya. 7 Jahre lang entging er der Verfolgung, da er sich im Libanon-Gebirge versteckte. Ein Engel wies ihn jedoch an zurückzukehren, wo er ins Gefängnis kam und furchtbare Torturen erleiden musste, diese überstand er jedoch unverletzt. Von Engeln befreit kam er in das heutige Serbien und wurde dort abermals gefoltert. Auch diese überstand er unbeschadet und vor den Jupitertempel geführt zerfiel die Statue zu Staub, ein riesiger Drache fuhr aus dem Tempel und Erasmus vertrieb ihn, bekehrte Tausende und taufte sie. Der Erzengel Michael geleitete ihn dann nach Formia in Kampanien, wo er Wunder vollbrachte. Eine Überlieferung besagt, dass er hier in hohem Alter sanft entschlief, andere besagen, dass er hier an der zweimaligen Folter starb, weswegen er als Märtyrer gilt. Er ist einder der 14 Nothelfer.

 

Georg (*um 280 - †305): Einer der beliebtesten Heiligen der christlichen Welt. Er soll zahlreiche Foltern über sich ergehen haben lassen müssen und sei auch dreimal gestorben und wieder auferstanden. Größte Bekanntheit hat die Legende über den Drachenkampf. In einem See vor der Stadt Silena in Lybia (oder Cyrene) hauste ein Drachen, dem die Bewohner täglich Lämmer opfern mussten. Als diese aus waren wurden Söhne und Töchter geopfert. Als das Los die Königstochter traf und sie am See war erschien Georg, schwang die Lanze mit dem Zeichen des Kreuzes und durchbohrte das Monster. Er wurde in die Stadt transportiert und Georg versprach das Biest zu töten wenn die Bewohner zum Christentum konvertierten. Nachdem Georg den Drachen getötet hatte ließ sich der König, sowie der Rest des Volkes taufen. Georg ist einer der 14 Nothelfer.

 

Isidor (*um 560 - †636): Bereits als Jugendlicher besuchte er ein Kloster und mit 30 wurde er Abt und verfasste auch ein Buch über das mönchische Zusammenleben. Er war sehr interessiert an Wissenschaft und die Bibliothek in seinem Kloster zählte zu seiner Zeit zu den berühmesten. In seinem 20-bändigen Werk ‚Etymologiae‘ versuchte er das gesamte weltliche und religiöse Wissen zu vereinigen, zudem schrieb er noch zahlreiche andere Werke. Auch gehen Klostergründungen auf ihn zurück. Das Wort Messe stamm von ihm als Gottesdienst mit Eucharistiefeier.

 

Johannes (*5v. Chr. - †nach 29): Hierbei handelt es sich um Johannes den Täufer. Christliche Kirchen sehen ihn als den letzten großen Propheten vor Jesus an. Johannes erkannte bei der Taufe Jesu dessen Besonderheit, bei dieser Taufe wurde Jesu Göttlichkeit auch zum ersten Mal offenbar, so sprach vom Himmel ‚Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen‘. Johannes klagte öffentlich über die unrechtmäßige Verbindung des Herodes Antipas mit seiner Schwägerin Herodias, was ihn den Kopf kostete. Neben Jesus und Maria ist Johannes der einzige, dessen Geburtstag gefeiert wird. Johannes- oder Sonnwendfeuer werden heute noch angezündet, ist der 24. Juni doch Johannes‘ Geburtstag. Diese Feuer sollen böse Dämonen und Hagelschäden abwehren. Dem Johannniskraut, das um diese Zeit blüht, schrieb man zu vor Teufeln und Geistern zu schützen; die Johannisbeere wird um diese Zeit reif; Johanniskäfer (Glühwürmchen) beginnen um diese Zeit zu leuchten.

 

Katharina (*? - †307?): Der Legende nach war Katharina die Tochter des Königs Costus von Zypern. Als sie der Kaiser heiraten wollte bemerkte sie, dass ihr der Bewerber weder in Adel, Reichtum, Weisheit noch Schönheit entsprach. Durch einen Einsiedler erfuhr sie, dass der richtige Bräuigam Jesus Christus wäre und sie ließ sich daraufhin taufen. In Alexandria war sie Zeugin eines Miltärzugs des Kaisers Maxentius. Als dieser heidnische Oper, auch von den Christen verlangte, verlangte, negierte Katharina. Daraufhin lud der Kaiser die 50 besten Philosophen ein, doch keiner bestand gegen Katharinens Argumentation und sie ließen sich allesamt taufen, wofür sie verbannt wurden. Der Kaiser hielt um ihre Hand an was sie jedoch verweigerte. Darauf ließ er sie foltern. Schließlich sollte Katharina gerädert werden, die Räder jedoch brachen und töteten die Folterer, was das Volk, die Garde und die Kaiserin auf Katharinens Seite brachte. Sie wurde enthauptet, doch aus der Wunde strömte kein Blut, sondern Milch. Engel entführten sie auf den Berg Sinai wo das Kloster des brennenden Dornbuschs fortan nach ihr benannt wurde.  Am Katharinentag mussten früher alle Räder ruhen (auch das Mühlrad, das Spinnrad, das Wagenrad und später das Fahrrad).

 

Kolumban (*um 542 - †615): Er ist ein irischer Mönch, der auszog, um Heiden zu missionieren. Während seiner Tätigkeit gründete er mehrere Klöster und war selbst der erste Abt des Kloster Luxeuil. Zusammen mit Gallus kam er auch nach Bregenz und missionierte hier die heidnische Bevölkerung.

 

Kümmernis: Wilgefortis (oder Hilgefortis) war eine schöne Königstochter aus Lusitanien (heutiges Portual). Ihr Vater wollte diese mit einem heidnischen König verheiraten, was ihr nicht zusagte und sie Gott bitten ließ sie ihrer Schönheit zu berauben. Ihr wuchs nun ein Bart, was ihren Vater so erzürnte, dass er sie kreuzigen ließ. Der Mähr nach habe sie noch 3 Tage lang vom Kreuze herab gepredigt und viele Leute zum christlichen Glauben bekehrt, so auch ihren Vater, welcher veranlasste, dass ihr schöne, teure Kleider angezogen wurden. Eine zweite Legende widmet sich dem Geiger, der auch auf diesem Bild neben der Kümmernis zu sehen ist. Dieser soll vor dem Bildnis gespielt haben, woraufhin die angetane Kümmernis ihm einen ihrer teuren Schuhe abwarf. Des Diebstahl bezichtigt soll nun der arme Geiger zum Tode verurteilt werden. Als letzten Wunsch erbat er sich nochmal vor dem Bildnis spielen zu dürfen und gleich beim ersten Streich warf ihm die Kümmernis in Anwesenheit von Zeugen den zweiten Schuh herab, woraufhin der Geiger von dannen ziehen durfte. Diese Geschichte fand auch bei den Gebrüdern  Grimm Einzug.

 

Leonhard (*um 500 - †559?): Erzählungen zufolge stammt er aus einer fränkischen Adelsfamilie und wurde durch Erzbischof Remigius von Reims getauft und unterrichtet. Er lebte einsam im Wald Pauvin bei Limoges, predigte dort und heilte dort Krüppel und Hilfsbedürftige. Gefangene besuchte er regelmäßig und es gelang ihm auch für viele die Freilassung zu veranlassen. Eines Tages jagten der König und die Königin in diesem Wald und Leonhard hörte wie die Königin wehklagte. Sie lag in den Wehen. Die Bitten des Königs erhörend bat Leonhard am Lager der Königin und diese schenkte sodann ihrem Sohn das Leben. Reichtum hierfür lehnte Leonhard ab, er wollte lediglich soviel Grund wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten konnte. Hier gründete er die Gemeinschaft von Noblat – das heutige Dorf Léonard-de-Noblat, wo ehemalige Gefangene willkommen waren und eine Handarbeit erlernten.

 

Martin (*316/17 oder 336 - †397?): Die bekannteste Geschichte um den heiligen Martin geschah als er noch als Soldat auf seinem Pferd am Stadttor von Amiens einem frierenden Bettler, dem er die Hälfte seinem mit dem Schwert geteilten Mantels überließ. In der darauf folgenden Nacht erschien ihm im Traum Jesus mit der Mantelhäfte. Er prüfte ihn als Bettler. Zudem ranken sich Wunderheilungen um ihn. Er beeindruckte durch sein asketisches Leben und seine Hilfsbereitschaft den Armen gegenüber. 371/372 wurde er angeblich entgegen seinem Willen aber aufgrund des Willens des Volkes zum Bischof von Tours. Dieser Wahl wollte er dadurch entgehen, dass er sich in einem Stall versteckte. Die Gänse hätten ihn durch ihr Schnattern verraten, woher wohl noch heute der Brauch der Martinigans rührt.

 

Nikolaus von Tolentino (*um 1245 - †1305): Er zeichnete sich durch strenge Askese und gelebter Nächstenliebe aus. Schon zu Lebzeiten werden ihm Wunder zugeschrieben, so wirkten seine Gebete heilend. Auch bei schwerer Krankheit schlug er aufgrund der gelobten Kasteiung zwei gebratene Vögel zur Stärkung aus. Auf Geheiß des Priors wollte er dann einen Bissen nehmen, doch bevor dies geschah, flogen die zwei lebendig gewordenen Rebhühner davon. Offiziell bestätigt ereigneten sich nach seinem Tod am Ort seiner Beerdigung binnen der ersten 20 Jahre bereits 300 Wunder. Sein Grab ist bis heute ein bedeutender Wallfahrtsort.

 

Oswald (*um 604 - †642): Er war der König von Northumbrien in England. Dort führte er auch das Christentum ein. Die Mähr erzählt, dass bei seiner Krönung das Chrisamöl fehlte. Ein Rabe brachte es schließlich in einem kostbaren Gefäß mit versiegeltem Brief. Darin stand, dass Petrus es höchstselbst gesendet und geweiht habe. Oswald gründete auch ein Kloster in Lindisfarne. Er starb im Kampf mit dem heidnischen König Penda von Mercien. Penda ließ Oswalds Leichnam verstümmeln und so zur Schau stellen. Seine Gebeine wurde als Reliquien an unterschiedliche Klöster und Kirchen aufgeteilt und es wurde von Wundern an diesen Orten berichtet.

 

Sebastian (*? - †288): Er lebte zur Zeit der Christenverfolgung durch den Kaiser Diokletian und war Hauptmannn der Prätorianergard am kaiserlichen Hof. Seinen Glauben verheimlichte er. Als der Kaiser von Sebastians Glauben erfuhr, ließ er diesen an einen Baum binden und von numidischen Bogenschützen erschießen. Für tot geglaubt ließ man ihn liegen, doch Irene, die Witwe des Märtyrers Castulus pflegte ihn wieder gesund. Sebastian klagte beim Kaiser über die sinnlose und grausame Verfolgung. Auf Diokletians Befehl wurde Sebastian daraufhin zu Tode gepeitscht und in die Cloaca maxima (den größten Abwasserkanal) geworfen. Er erschien Lucina, einer Christin, im Traum und diese barg den Leichnam und bestattete ihn im Coemeterium ‚ad Catacumbas‘ an der Via Appia – heute die Katakomben des Sebastian. Sebastianspfeile trug man früher als Schutz gegen die Pest – die anfliegende Krankheit. Der Volksmund nahm an, dass die Pest durch Dämonen mittels Pfeilen hervorgerufen wurde.

 

Sigmund (*um 474 - †524): War ein Königssohn aus dem Burgund und war, entgegen seinem Vater, der Anhänger des Arianismus war (nach dieser frühen christlichen Lehre war Jesus nicht wesensgleich mit Gott, sondern sein vornehmstes Geschöpf), katholisch. Als er den Thron übernahm ging er gegen die Arianer vor und setzte sich für den Katholizismus ein. 523 wurde er vom König Chlodomir besiegt und mitsamt seiner Frau und zwei Kinder in einen Brunnen geworfen, daher galt er als Märtyrer. Drei Jahre später wurden seine Gebeine und die seiner Kinder geborgen und in unterschiedliche Orte versandt. Messfeiern für Fiebernde in seinem Namen erzielten Heilerfolge, weshalb er unter die Heiligen aufgenommen wurde.

 

Stephanus (*um 1? - †um 38?): Er war der erste von sieben Diakonen der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, wurde somit von den Aposteln durch Handauflegen geweiht. Eine seiner Predigten brachte ihn mit den hellenistischen Juden in Jerusalem in Konflikt. Seine Verteidigungsrede durfte er nicht zu Ende führen. Bei seiner Rede hatte er eine Vision wie Jesus zur Rechten Gottes steht und teilte dies mit, weswegen er nun der Gotteslästerung bezichtigt wurde. Hierauf wurde er gesteinigt, dabei kniete er nieder, sah den Himmel offen stehen und die Herrlichkeit Gottes, vergab seinen Peinigern und starb. Seine Gebeine wurden des Öfteren an unterschiedlichen Orten als Reliquie aufbewahrt und an diesen Orten wurde immer wieder von Wundern berichtet.

 

Theodul (*? - †400): Hier werden drei Theodule, bzw. Theodore, genannt, die in Frage kommen. Wir widmen uns hier dem ältesten, der drei. Dieser wurde 375 der erste Bischof im Wallis. Der Legende nach fand er die Gebeine von Mauritius und dessen Gefährten und ließ für sie in St. Maurice eine Basilika bauen. Die Glocken für diese Kirche musste er in Rom holen und die Sage erzählt, dass der Teufel sie im tragen musste.

 

Ursula (*? - †304 oder †451): Die Legende besagt, dass Ursula die Tochter des christlichen Königs Maurus war. Sie sollte mit Aetherius, einem heidnischen König aus England, vermählt werden, erbat sich jedoch 3 Jahre Frist. Ursula selbst wollte zuerst mit 10 weiteren Jungrauen nach Rom begeben. Mit dem Schiff brachen sie auf, wurden jedoch durch einen schweren Sturm nach Köln getrieben. In einem Traum erfuhr Ursula, dass sie nach dem Rombesuch zurück nach Köln müsse, um dort ihr Martyrium zu erleiden. Zurück in Köln wurden die Jungfrauen von Hunnen niedergemetzelt, jedoch wollte der Hunnenkönig Ursula für sich als Gemahlin, diese verweigerte ,und wurde mit einem Pfeil getötet. Daher gilt sie als Märtyrerin. Reliquien von ihr und den vielen anderen Gefallenen wurden in ganz Europa verbreitet. Gemäß einem belgischen Chronisten benannte Kolumbus 1493 eine Inselgruppe in der Karibik nach Ursula und nannte sie ‚Santa Ursula y Las Once Mil Virgenes‘ = Heilige Ursula und 11.000 Jungfrauen. Diese Inselgruppe heißt heute die  Jungferninseln. Im Kölner Wappen wurden im 16. Jahrhundert 11 Flammen als Symbol für die 11 Jungfrauen hinzuefügt.

 

Veit (*? - †um 304): Die Legende besagt, dass Veit, Sohn eines heidnischen Senators, von seiner Amme und seinem Erzieher als Kind bekehrt wurde und bereits als Kind Wunder wirkte. Aus diesem Grund wurde er von seinem Vater geschlagen und vor den Richter geführt. Er solle von Knechten geschlagen werden, doch diesen verdorrten die Arme, die wiederum durch Veits gebet geheilt wurden. Veit wurde nach Rom zum Kaiser Diokletian gerufen, dessen besessenen Sohn er heilte, doch der Kaiser wollte ihn ob seines Glaubens hinrichten, doch er uns seine Gefährten nahmen keinen Schaden von den Peinigungen (schwere Eisenplatten, heißer Ölkessel, ein Löwe wurde zahm anstatt sie zu töten, eine Folterbank wurde durch Blitze zerstört). Allein in Österreich sind 11 Orte nach Veit benannt. Er ist einer der 14 Nothelfer.