Allgemeines:

Diese Kapelle im Herzen von Bregenz besticht weniger durch ihr prunkvolles Inneres als mehr durch die Entstehungsgeschichte und die um sie rankenden Sagen und Legenden. Erbaut wurde sie 1445 doch die Geschichte, warum sie erbaut wurde, beginnt schon Anfang des 15. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit formierte sich im Appenzell und Umgebung ein Bund, der für seine Freiheit eintrat und diesem Bund traten um 1405 auch große Teile Vorarlbergs – teils freiwillig, teils nicht – bei. Im Herbst 1407 erreichte dieser Bund die Stadt Bregenz und belagerte sie. Die Sage erzählt, dass die Appenzeller sich in Rankweil in einer Gaststube berieten und Bregenz am Hilariustag, den 13. Januar 1408, einnehmen wollten. Eine alte Frau, genannt Guta, hörte dieses Ansinnen wurde aber entdeckt und musste schwören, dass sie dies keinem Menschen erzählen würde, sonst droht ihr der Tod. Sie stieg auf ein Ross und eilte nach Bregenz, dort erzählte sie die schreckliche Kunde dem Ofen. Der Stadtammann hörte das und man teilte es gleich weiter an die Freunde in Schwaben. Pünktlich am 13. Januar 1408 im Schutz von Nebel, Dunkelheit und klirrender Kälte kam ein Heer aus Rittern und Knechten, die sich Ritter vom Georgenschild nannten, an und schlugen die Appenzeller hart. An der Stelle an welcher sich die Seekapelle befindet entstand ein Massengrab für die gefallenen Appenzeller (die Kampfhandlungen fanden an der Klause statt). Die Seekapelle selbst wurde zur Erinnerung an diesen Sieg von der Stadt Bregenz gestiftet und 1445 erbaut und den heiligen Georg und Hilarius geweiht. Ob es die Guta wirklich gab ist ungewiss, manche Historiker meinen schon, andere wiederum orten sie im Gebiet der Sagen. Als Belohnung für ihre Tat erbat sie sich Obdach, Nahrung, Kleidung und der Nachtwächter soll von Martini (11. November) bis Lichtmess (40 Tage nach Weihnachten = 2. Februar) zur neunten Stunde ‚Ehret die Guta‘ rufen, woraus das heute noch bekannte Ehreguta wurde. Dieser Brauch soll vom Hilariustag 13. Januar 1408 bis es unter Bayrischer Herrschaft 1812 abgeschafft wurde gepflegt worden sein und dann 1814 wurde der Brauch wieder eingeführt. Obwohl die Nachtwächterrufe 1872 eingestellt wurden rief der Polizeiwachmann Kräutler noch Anfang der 1880er Jahre von November bis Februar um 21 Uhr dreimal ‚Ehreguta‘.

 

Architektur:

1445 erbaut und bereits 1500 erfolgte ein Neubau an den 1644 eine Vergrößerung folgte. Die nunmehrige Kapelle wurde 1696/98 von Stadt und Familie Deuring nach Plan von Christian Thumb von Maurermeister Kaspar Held erbaut. Es handelt sich hierbei um einen einfachen Langhausbau mit eingezogenem, an den Schrägseiten eingerundetem Chor mit Flachbogenfenstern. Der dreigeschoßige, achteckige Turm mit Zwiebelhaube liegt an der Chorstirnseite. Über den Portalen finden sich Nischenfiguren; im Süden der heilige Nikolaus, im Norden der heilige Hilarius; an den gerundeten Chorseiten über den Fenstern im Süden der heilige Michael und im Norden der heilige Georg, alle scheinen von Johann Winkel zu sein, um 1700. Ebenfalls im Süden ist eine Gedenktafel an den Mundartdichter Kaspar Hagen, der aus Bregenz stammt, von Albert Bechtold, 1923.

Innen finden wir einen einschiffigen Betraum mit Pilastergliederung und flachem Stichkappentonnengewölbe, einen eingezogenen 3/8-Chor mit Stichkappengewölbe und eine Empore auf zwei Säulen.

 

Altar:

Der Hochaltar ist ein Renaissanceschrein von 1615 von Esaias Gruber d. J.; der aus Schloss Hofen stammte. Im Zentrum ist ein Kreuz mit Jesus Christus, darunter Maria Dolorosa; im Aufsatz sind Johannes der Täufer sowie Johannes der Evangelist. In den Rechtecknischen Gipsabgüsse der Passion Christi, Antwerpen, um 1515.

linker Seitenaltar: Viersäulenaufbau mit zwei gedrehten Säulen, um 1700. Auf dem Gemälde wird die Auferstehung Christi dargestellt, im Oberbild die Kreuzigung, ebenfalls um 1700.

rechter Seitenaltar: Auf dem Gemälde sieht man Maria mit dem heiligen Hilarius, dem Patron der Schlacht von 1408 (13. Januar war die Schlacht und das ist der Hilariustag), Georg, Nikolaus und Leonhard, urkundlich von Philipp Albert Zehender.

 

Figuren:

Im Rückraum der Kapelle befindet sich in der Wand eine Glasvitrine mit einer Nachbildung des heiligen Judas Thaddäus.

 

Orgel und Glocke:

Die Orgel 1900 von den Gebrüdern Mayer und die Glocke von 1758.

 

Heilige:

Georg (*um 280 - †305): Einer der beliebtesten Heiligen der christlichen Welt. Er soll zahlreiche Folter über sich ergehen haben lassen müssen und sei auch dreimal gestorben und wieder auferstanden. Größte Bekanntheit hat die Legende über den Drachenkampf. In einem See vor der Stadt Silena in Lybia (oder Cyrene) hauste ein Drachen, dem die Bewohner täglich Lämmer opfern mussten. Als diese aus waren wurden Söhne und Töchter geopfert. Als das Los die Königstochter traf und sie am See war erschien Georg schwang die Lanze mit dem Zeichen des Kreuzes und durchbohrte das Monster. Er wurde in die Stadt transportiert und Georg versprach das Biest zu töten wenn die Bewohner zum Christentum konvertierten. Nachdem Georg den Drachen getötet hatte ließ sich der König, sowie der Rest des Volkes taufen. Georg ist ein der 14 Nothelfer.

 
 

Hilarius (*um 315 – †367?): Er war einer der großen Bischöfe des 4. Jahrhunderts und einer derer, die die Grundlagen des christlichen Denkens im Westen schufen. Martin von Tours (Martinitag – der, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte) war sein Schüler. Da er gegen den Arianismus (nach dieser frühen christlichen Lehre war Jesus nicht wesensgleich mit Gott, sondern sein vornehmstes Geschöpf) eiferte wurde er nach Phrygien in Kleinasien verbannt. Dort vertiefte er sein Wissen und schrieb 12 Bände über die erste Gesamtdarstellung der Dreifaltigkeit. Kaiser Konstatius II. verweigerte ihm eine Unterredung ließ ihn aber wieder in seine Heimat zurückkehren, wo er die Entmachtung der arianischen Bischöfe durchsetzen konnte.

 

Johannes der Evangelist (*? – †um 101): In der christlichen Tradition wird Johannes der Apostel und Johannes der Evangelist gerne gleichgesetzt, was heute weder belegt noch widerlegt werden kann. Johannes war der 4 Jünger Jesu, nach Petrus, Andreas und seinem Bruder Jakobus. Laut Johannesevangelium war Johannes Jesu Lieblingsjünger. In der Urgemeinde nach Jesu Tod war Johannes zusammen mit Petrus prägend. Laut Paulus waren Petrus, Johannes sowie dessen Bruder Jakubus zu den Säulen der Urgemeinde. Die Forschung erkennt Johannes den Apostel nicht als Johannes den Evangelisten an. Eine Geschichte erzählt, dass er am Artemis-Tempel in Ephesos, einem Ort an dem er viel wirkte, nicht opfern wollte. Aristodemus, der Oberpriester zwang ihn zu einem Opfer, andernfalls müsse er Gift aus einem Kelch trinken, welches bereits zwei Verbrecher vor seinen Augen tötete. Er verneinte dies, schlug das Kreuz über dem Kelch, woraufhin das Gift in Form einer Schlange davonkroch. Deshalb wird er gerne mit Kelch und Schlange protraitiert. Aristodemus bekehrte sich daraufhin. Auch wurde er in Rom in einen Ölkessel geworfen, doch das Öl verwandelte sich in ein frisches Bad (auch mit Ölkessel wird er gerne protraitiert).

 

Johannes (*5v. Chr. - †nach 29): Hierbei handelt es sich um Johannes den Täufer. Christliche Kirchen sehen ihn als den letzten großen Propheten vor Jesus an. Johannes erkannte bei der Taufe Jesu dessen Besonderheit, bei dieser Taufe wurde Jesu Göttlichkeit auch zum ersten Mal offenbar, so sprach vom Himmel ‚Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen‘. Johannes klagte öffentlich über die unrechtmäßige Verbindung des Herodes Antipas mit seiner Schwägerin Herodias, was ihn den Kopf kostete. Neben Jesus und Maria ist Johannes der einzige, dessen Geburtstag gefeiert wird. Johannes- oder Sonnwendfeuer werden heute noch angezündet, ist der 24. Juni doch Johannes‘ Geburtstag. Diese Feuer sollen böse Dämonen und Hagelschäden abwehren. Dem Johannniskraut, das um diese Zeit blüht, schrieb man zu vor Teufeln und Geistern zu schützen; die Johannisbeere wird um diese Zeit reif; Johanniskäfer (Glühwürmchen) beginnen um diese Zeit zu leuchten.

 

Judas Thaddäus (*? - †44?): Hierbei handelt es sich um einen Jünger Jesu. Er sollte nicht mit Judas Ischariot, dem Verräter Jesu, verwechselt werden. Eine Überlieferung besagt, dass Judas Thaddäus und Simon Zelotes zusammen in Mesopotamien wirkten. Dann, im heutigen Irak, prophezeiten sie dem dortigen König von Babylon Sieg und Frieden, was tags darauf auch eintrat. Sie tauften König Xerxes, den gesamten Hofstaat und auch viele Tausende im Land. Sie wirkten viele Wunder, womit sie die Zauberer bloßstellten und die Abgötter stürzten, woraufhin die Zauberer und Priester einen Aufstand organisierten und die beiden Apostel erstachen, weitere Legenden berichten über deren Enthauptung und wieder andere über andere Gräueltaten, die ihnen widerfuhren. Durch ein gewaltiges Unwetter kamen daraufhin die Zauberer und Priester zu Tode. Eine weitere Überlieferung nennt Judas Thaddäus und Bartholomäus in Armenien, wo er 66 die erste Kirche der Welt gegründet haben soll.

 

Leonhard (*um 500 - †559?): Erzählungen zufolge stammt er aus einer fränkischen Adelsfamilie und wurde durch Erzbischof Remigius von Reims getauft und unterrichtet. Er lebte einsam im Wald Pauvin bei Limoges, predigte dort und heilte dort Krüppel und Hilfsbedürftige. Gefangene besuchte er regelmäßig und es gelang ihm auch für viele die Freilassung zu veranlassen. Eines Tages jagten der König und die Königin in diesem Wald und Leonhard hörte wie die Königin wehklagte. Sie lag in den Wehen. Die Bitten des Königs erhörend bat Leonhard am Lager der Königin und diese schenkte sodann ihrem Sohn das Leben. Reichtum hierfür lehnte Leonhard ab, er wollte lediglich soviel Grund wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten konnte. Hier gründete er die Gemeinschaft von Noblat – das heutige Dorf Léonard-de-Noblat, wo ehemalige Gefangene willkommen waren und eine Handarbeit erlernten.

 

Michael: Es handelt sich hierbei um den Erzengel Michael. Der Überlieferung nach war er der Engel, der Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb und den Lebensbaum bewachte. Auch er war es, der das rote Meer teilte. Michael ist der Legende nach der Engel, der alles, das Gott seinen Rang streitig machen will, bekämpft. Viele Kämpfe und Siege werden ihm zugeschrieben. Er war der Schutzheilige des Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation.

 

Nikolaus (*283 - †348): Als seine Eltern an der Pest starben verteilte er deren Reichtum unter den Armen. Dabei gab er mehreren jungen Frauen durch das Fenster, oder den Kamin (in die darin aufgehängten Socken) Geld, was noch heute den Brauch mit den mit Süßigkeiten gefüllten Socken erklärt. Nach einer Pilgerreise nach Rom wurde er zum Bischof von Myra (in der heutigen Türkei) gewählt. Er rettete Gefangene und Schiffbrüchige, weshalb er zum Patron von beiden wurde. Im Zuge der Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Im 6. Jahrhundert entwickelte sich in Byzanz ein Kult um ihn, dieser breitete sich aus und noch heute gilt Nikolaus als eine zentrale Figur in Russland. Im 14. Jahrhundert entstand in Klosterchulen der Brauch des ‚Bischofsspiels‘ was in weiterer Folge zu dem heutigen Brauch führte, dass Nikolaus die Kinder beschenkt (seit 1555 belegt).